Vielfalt im Quadrat: Die Generation Y ist nicht nur anders, sondern in sich vielfältig

Im konkreten Kontakt mit abweichlerischen Anderen zeigt sich, wie weitgehend Diversity als Geisteshaltung verinnerlicht und Inclusion als Verhalten automatisiertworden ist. Die Generation Y bildet mehr und mehr einen knallharten Testfall für Diversity, denn sie bringt nicht nur – wie jede Generation – ein neues Wertegerüst mit (sich), sondern sie ist in sich vielschichtiger als gedacht. Daher muss der Mainstream nun üben: Mit den eigenwilligen Leistungsträgern der Zukunft klarkommen und sie nicht – wie andere Gruppen – in eine Schublade stecken. Aber Moment mal: Das hatten wir uns doch für alle Diversity-Themen vorgenommen, oder etwa nicht?

Die Gratwanderung zwischen Anerkennung von Andersartigkeit und Stereotypisierung stellt wohl die älteste Herausforderung des Diversity Managements dar. Frauen verhalten sich in Beruf und Karriere teilweise anders als Männer, dürfen dennoch nicht als Empathiemaschinen abgestempelt werden. Migranten bringen kulturelle Besonderheiten mit sich, dürfen jedoch nicht als rundum integrationsbedürftig gelten. LGBT-Konsumenten nehmen Marketingmaßnahmen anders wahr und sind dennoch nicht ausnahmslos feinsinnige Ästheten. Soweit haben sich die Grunderkenntnisse zu Vielfalt (hoffentlich) durchgesetzt. Die Generation Y mutet den Diversity-Praktizierenden weitaus mehr zu: Angstvoll wie das Kaninchen vor der Schlange beobachteten diese den schleichenden Einzug der Werteorientierten, der Vollbärte und der Vielsprachigkeit in die Arbeitswelt. Hektisch erforschten sie die Erwartungen und Anforderungen der umworbenen, weil immer knapper werdenden, Talente. Rasch waren die Eckpfeiler der neuen Kulturkiste gegossen: Internet, Individualistisch, Integrativ. Nun zeigt sich, dass die Generation der unbegrenzten Möglichkeiten diese intensiv genutzt hat. Wie eine aktuelle Studie zeigt, enthält die vermeintlich homogene Generationengruppe Sechs Segmente. Eine große Teilgruppe bringt Traditionalität als Grundhaltung mit, eine weitere zeichnet sich durch Wettbewerbsorientierung aus und eine dritte kultiviert Experimentierfreude. Die Mehrheit entspricht nicht dem weichgespülten Weichei-Image.

Da haben wir nun den Salat – in mehrerer Hinsicht. Wir haben uns mühevoll beigebracht, andere Gruppen als solche wahrzunehmen. Nun sollen wir innerhalb dieser Gruppe auch noch differenzieren? Darin besteht der eigentliche Segen des Nachwuchsnotstandes: Wir werden noch deutlicher motiviert, unsere frühere Schablone nicht nur gegen sechs neue Schablonen auszutauschen, sondern zu lernen, die Schablonen so klein zu zerlegen, dass nur die individuell unterschiedlichen Formen übrig bleiben. Willkommen in der Anerkennung von Individualität, dem eigentlichen, dem langfristigen und dem menschlichsten Ziel von Diversity & Inclusion.