Studie bestätigt: ab 22 % Frauenanteil verringern sich stereotypische Prägungen

Eine weitere Studie zeigt, dass mit steigendem Frauenanteil in Managementpositionen Entscheider beiderlei Geschlechts fokussierter und kompetitiver agieren. Die Einstellungen und Fähigkeiten von männlichen und weiblichen Managern gleichen sich ab einem Frauenanteil von ca. 22% zunehmend an.

Die sprichwörtlichen Gretchenfragen im Themenfeld „Frauenquote“ waren und sind:

-       Haben männliche und weibliche Führungskräfte geschlechtsspezifisch unterschiedliche Stärken oder Herangehensweisen

-       Bei welchen Mischungsverhältnissen wirken diese sich positiv oder gar negativ auf das Team und seine Ergebnisse aus?

Die Forschung der letzten Jahrzehnte zeigte einerseits mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede zwischen Männern und Frauen im Management, andererseits waren die wenigen Unterschiede karriererelevant und wirkten sich zugunsten der Männer aus. Andere Studien bestätigten die Alltagserfahrungen, dass einzelne oder wenige VertreterInnen einer fremden Gruppe (unter 20%) als Störfaktor wirken und erst ab 25% eine positive Dynamik einsetzt.

Wenig Vielfalt fördert Stereotype 

Eine aktuelle Studie von Russell Reynolds hat die Profile von Männern und Frauen in Ländern mit verschieden hohen Frauenanteilen im Management untersucht. Dabei zeigt sich, dass in Ländern mit einem unterdurchschnittlichen Anteil weiblicher Führungskräfte (weniger als 21%) die männlichen und weiblichen Führungskräfte weitgehend dem klassischen Geschlechterstereotyp entsprechen: Männer geben sich signifikant wettbewerbsorientierter, Frauen kümmern sich stärker um ihre soziale Umgebung.

Anpassung der Frauen, nicht der Männer

Ab einem Anteil weiblicher Führungskräfte von 22% nähern sich Managerinnen ihren männlichen Kollegen hinsichtlich der Durchsetzungsstärke an. Sind mehr als 26% der Führungspositionen mit Frauen besetzt, besteht bei der Wettbewerbsorientierung kein Geschlechterunterschied mehr. Männer wie Frauen richten mit steigendem Anteil weiblicher Führungskräfte zudem ihre Entscheidungen weniger stark auf ihr soziales Umfeld aus. In Ländern mit hohem Frauenanteil im Management agieren Frauen gar weniger integrierend und ausgleichend als ihre männlichen Kollegen in Ländern mit geringem Anteil weiblicher Führungskräfte.

Zusammenhänge

Diese zentralen Ergebnisse der aktuellen Studie “Post-Diversity-Ära” der Personalberatung Russell Reynolds basiert auf der Auswertung von psychometrischen Profilen von 4.345 weiblichen und männlichen Entscheidern in 25 Ländern. Insbesondere wurden Einstellungen und Fähigkeiten von Topmanagerinnen und Topmanagern in Bezug darauf verglichen, ob diese in einem Land mit geringem, mittlerem oder hohem Anteil weiblicher Führungskräfte tätig sind. Während positive wirtschaftliche Effekte geschlechtergemischter Teams und Führungsgremien bereits in vielen Studien  statistisch belastbar gezeigt werden konnten, bleibt bei dieser Untersuchung aufgrund des Forschungsdesigns fraglich, ob sich die unterschiedlichen Profile tatsächlich durch die verschieden hohen Frauenanteile in den Ländern erklären lassen bzw. in welchem Maße sie von diesen beeinflusst werden.