Schweizer Führungsetagen sind international – deutsche nicht

Wie setzen sich die Spitzengremien der größten Schweizer Unternehmen zusammen in Hinblick auf Internationalität und Geschlecht? Diese Frage beleuchtet seit 2006 der jährlich erscheinende Schilling Report durch Analyse der Geschäftsleitungen und Verwaltungsräte. Während sich der Anteil der Frauen in Geschäftsleitungsgremien seit 2006 nur um zwei Prozentpunkte auf 6 Prozent erhöhte, ist der Ausländeranteil seither deutlich gestiegen.

Analysiert wurden die 119 beschäftigtenstärksten Unternehmen mit insgesamt 860 Geschäftsleitungsmitgliedern sowie 820 Verwaltungsratsmitgliedern (aus 89 dieser Unternehmen). Gesondert betrachtet werden die 20 Blue Chip Konzerne des SMI (Swiss Market Index). Das Ergebnis zeigt einen gestiegenen Ausländeranteil in den Geschäftsleitungen von nunmehr 45% im Jahr 2013 im Vergleich zu 36% im Jahr 2006; dieser Anteil stagniert allerdings seit 2011 auf diesem Niveau. Der Ausländeranteil bei den CEOs liegt mit 42% leicht unter dem des Gesamtsamples, „für sich genommen ein bemerkenswert hoher Wert,“ wie Diversity-Experte Stuber weiß.

Die SMI-Unternehmen beschäftigen mit einem Anteil von 68% deutlich mehr ausländische Manager als das gesamte Sample. Drei von vier CEO’s sind hier ausländischer Herkunft (70% in 2012). In 15 der untersuchten Unternehmen (13%) sitzen keine Schweizer in den Geschäftsleitungen, während die Geschäftsleitungen von 19 der 119 einbezogenen Unternehmen (16%) ausschließlich mit Schweizern besetzt sind.

In den Verwaltungsräten liegt der Ausländeranteil mit 36% unter dem der Geschäftsleitungen (45%). Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Anteil um zwei Prozentpunkte. Unter den Verwaltungsratspräsidenten finden sich 24% Ausländer, während es bei den CEOs 42% sind. Bei den SMI-Unternehmen rangiert der Anteil der ausländischen Verwaltungsratsmitglieder mit 60% ganze 24 Prozentpunkte über dem aller ausländischen Verwaltungsratsmitglieder (36%). Der Frauenanteil unter den Verwaltungsratsmitgliedern liegt bei 12% und unter den Präsidenten bei einem Prozent.

Die Ergebnisse belegen laut Schilling die zunehmend globale Ausrichtung der Unternehmen. Vor allem die SMI-Unternehmen seien multinationale Konzerne. Vor dem Hintergrund der Globalisierung, des demographischen Wandels sowie der Erschließung neuer Märkte scheint dies zunächst das erfreuliche Ergebnis einer impliziten strategisch weitblickenden Personalstrategie zu sein. Erst auf den zweiten Blick offenbart sich, dass in den Führungsebenen strategisch wichtige Nationalitäten aus den aufstrebenden Wirtschaftsmärkten wie Russland oder Asien stark unterrepräsentiert sind oder fehlen. Sowohl in den Geschäftsleitungen als auch in den Verwaltungsräten der SMI-Unternehmen ist fast die Hälfte aller Ausländer angelsächsischer Herkunft. In den Geschäftsleitungen der 119 Unternehmen bilden die Deutschen mit 40% die größte Ausländergruppe. Dennoch sind die Schweizer Unternehmen in Bezug auf Internationalität den DAX30 weit voraus. Hier stammen über 70% der Vorstandsmitglieder aus Deutschland, gefolgt von den USA mit sieben Prozent und Österreich mit vier Prozent. Auffallend ist jedoch die Übereinstimmung in den bevorzugten Nationalitäten aus dem bekannten oder nahen Ausland sowohl in Deutschland als auch der Schweiz. Die deutsche Analyse „Kulturelle Vielfalt als Wettbewerbsfaktor für Unternehmen – Eine Bestandsaufnahme in Deutschland“ von Insa Harms wird in Kürze im AV Akademikerverlag veröffentlicht.