Pilotprojekt der Bundesagentur für Arbeit könnte Zuwanderer schneller in Arbeit bringen

Deutschland braucht dringend Zuwanderung. Nicht nur aus gewichtigen ökonomischen Gründen ist diese Erkenntnis kaum mehr zu negieren, auch die Gesellschaft profitiert durch Vielfalt und ein multikulturelles Lebensumfeld; allerdings nur, wenn Grundvoraussetzungen wie Offenheit und Inklusion gegeben sind. Ein derzeit laufendes gemeinsames Pilotprojekt des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und der Bundesagentur für Arbeit (BA) mit verschiedenen lokalen Bleiberechtsnetzwerken versucht sich an der Verbesserung der beruflichen Perspektiven für Asylbewerber und könnte so einen weiteren Schritt hin zu einer erfolgreichen Einwanderungsgesellschaft ermöglichen.
An sechs Modellstandorten nehmen 150 Asylbewerber teil. Sie bringen dafür sehr unterschiedliche Hintergründe mit, sie sind Lehrer, Zahnärzte, Verkäufer oder auch Anlagenmechaniker. Über 40 Prozent der Teilnehmer können einen Hochschulabschluss vorweisen, knapp 80 Prozent sind männlich. Während des Aufnahmeprozesses schalten sich frühzeitig die Arbeitsagenturen ein: Sie vermitteln beispielsweise Deutschkurse, noch bevor die betroffenen Asylbewerber einen offiziellen Aufenthaltstitel haben. Die gute Betreuung wie auch die Aussicht auf eine schnelle Beschäftigung oder Ausbildung verbessern die Perspektive der Teilnehmer und verhelfen den Arbeitgebern zu motivierten und qualifizierten Angestellten. Eine Evaluation des Projekts durch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wird im September erwartet.
Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes wanderten im Jahr 2013 rund 1,2 Millionen Menschen (darunter 109.580 Asylsuchende) nach Deutschland ein, so viele wie lange nicht und immerhin 15 Prozent mehr als im Jahr 2012. Der Großteil der Zuwanderer kommt aus EU-Mitgliedsstaaten (fast 730.000) und ist im Durchschnitt in den OECD-Ländern höher gebildet als die einheimische Bevölkerung. Dies zeigt eine Analyse der OECD aus dem Mai 2014, die weitere Vorteile der Migration, insbesondere für europäische Staaten, belegt. Das Wachstum des europäischen Arbeitskräftepools ist in den letzten zehn Jahren zu 70 Prozent auf Migration zurückzuführen, Einwanderer arbeiten sowohl im Hochlohnbereich als auch im Niedriglohnsektor und zahlen durch ihre Arbeit im Durchschnitt mehr Abgaben und Steuern ein als sie aus den Sozialkassen erhalten. Es steht also zu hoffen, dass Pilotprojekte wie das des BAMF und der BA die Integration von zugewanderten Personen erleichtern und einen Beitrag dazu leisten, das aus Vielfalt entstehende Potenzial nutzbar zu machen.