Performance braucht Diversity. Vielfalt in Sport und Gesellschaft als Zukunftsthema

Fit und in Bewegung bleiben ist für den Sport genauso Motto wie für Diversity. Deswegen trifft es sich gut, dass die Sporthochschule Köln und das Gleichstellungsbüro/ Institut für Sportsoziologie gemeinsam eine Veranstaltung organsierten. Die Veranstaltung „Performance braucht Diversity. Vielfalt in Sport und Gesellschaft als Zukunftsthema“ fand am 20. Oktober 2011 an der Hochschule statt, Michael Stuber war als Gastredner geladen.Im Sport geht nichts ohne Bewegung – in der Wirtschaft ist es genauso. Mitläufer ist in diesem Kontext keine Beleidigung, sondern ein Indiz für den richtigen Riecher. Wer die Zeichen der Zeit sieht, der erkennt wann es Zeit wird zu handeln. Die Zeichen unserer Zeit stehen auf Veränderung.
Lineare Strukturen weichen dynamischen Prozessen, und Rationalität begegnet zunehmend Emotionen in unserer immer vernetzteren, interkulturelleren Welt.
Vielfalt ist das Stichwort und Diversity der Weg zum Erfolg. „Diversity beschreibt das Potenzial-Prinzip, mit dem Vielfalt durch bewusst positive Beachtung und aktive Einbeziehung systematisch zum Vorteil aller Beteiligten genutzt wird“ fasst Michael Stuber zusammen.
Denn die veränderten Rahmenbedingungen der Wirtschaft und die Entwicklung der Gesellschaft zeigen eine wachsende Vielfalt, eine zunehmende Offenheit und eine stärker an Einbeziehung orientierte Kultur in zahlreichen Bereichen. Die Anwendung des Potenzial-Prinzips Diversity erscheint notwendig, um den anhaltenden Veränderungen der Belegschaften, der Märkte und des gesellschaftlichen Umfelds Rechnung zu tragen und nachhaltigen Erfolg sicherzustellen.
Wer von Vielfalt spricht, spricht automatisch von Unterschieden. Doch auch Unterschiede machen einen Unterschied. Zwar sind Alter und Geschlecht u. a. zwei sehr deutliche und auffällige Unterschiede; dennoch sind es nicht die einzigen, auf die es ankommt. Schließlich ist jeder Mensch ein anderer Lerntyp, bevorzugt ein bestimmtes Arbeitsumfeld und geht mit unterschiedlichen Bedürfnissen in die Konsumwelt. Insofern ist es wichtig auf die Unterschiedlichkeit der Unterschiede zu achten und diese mit zu bedenken. Sicher begegnen wir in diesem Zusammenhang Gegenstimmen und Meinungen, die dies abstreiten, genauso wie eben jene Stimmen das Thema generell ablehnen. Bekannte Aussagen wie „Wir haben keine Vorurteile – aber die Ausländer können halt nicht so gut Deutsch und sind daher für viele Jobs nicht einsetzbar“, „Es gibt doch das AGG – das ist schon mehr als genug“, „Wir haben viele Nationalitäten in der Organisation – wir sind schon vielfältig“ stehen ganz im Lichte der Zurückweisung und Ignoranz gemäß dem Motto „Wenn ich selbst nichts damit zu tun habe, muss ich mich nicht kümmern“. Die Gesetze oder die Zeit – irgendwas wird das schon richten.
Diversity bedeutet, sich aus der bequemen Haltung wegzubewegen, die Augen zu öffnen und damit zu erkennen, dass Vielfalt positive Veränderungen bewirken kann. Die Grundlagen dafür müssen aber erst noch geschaffen werden. Und dazu gehört, ein Verständnis für Diversity zu entwickeln und dieses dann mittels Instrumenten im Unternehmen zu etablieren.
Viele Sportinstitutionen sind bereits auf einem guten Weg. Der Deutsche Fußballbund hat zum Beispiel über 1000 Diversity-Charta Unterzeichner und vergibt jährlich einen Integrationspreis. Viele Sportstudios bieten Kinderbetreuung und Angebote speziell für Frauen oder Senioren. Das Schweizer Bundesamt hat das Projekt „Migrant Friendly Hospital“ H+ gestartet, das den Umgang mit Diversität und Chancengleichheit als Führungsaufgabe ansieht. Bedürfnisse der PatientInnen bilden einen wichtigen Bestandteil, außerdem werden Mitarbeitende mit transkulturellen Kompetenzen und Personal mit Migrationshintergrund gezielt geschult.
Auch im Hochschulsport gilt es, den Blick auf Diversity zu richten. Viele Bereiche, darunter Verwaltung, Lehre und Forschung, können Nutzen daraus ziehen. Aber auch – und gerade – im Studium heißt es: Aufmerksamkeit statt „Normalität“. Nicht der Zufall löst Probleme, sondern die Pro-Aktive Gestaltung. Bequemlichkeit ist gemütlich, aber Veränderungen sind besser.