Offizieller Report beschreibt „bunte Vielfalt“ bei Familien in Deutschland

Rückläufige und dauerhaft niedrige Geburtenraten bereiteten der Politik viele Jahre Sorgen. Während anfänglich noch der Glaube an traditionelle Familienstrukturen vorherrschte und zu fehlgeleiteten Herdprämien führte, öffnete sich die Politik langsam (und zaghaft) den neu entstandenen Realitäten. Und selbst die katholische Kirche begann (an)zuerkennen, dass sich die Familie im 21. Jahrhundert anders entwickelt als zu den Zeiten als christliche Ideale entstanden. Das Bundesfamilienministerium beschreibt die aktuelle Situation sogar mit dem Begriff „bunte Vielfalt von Lebensformen“.

Der aktuelle Familienreport des Bundesfamilienministeriums zeigt einmal mehr, dass Familienleben im Wandel begriffen ist. Familien werden heute vielfältig gelebt und diese bunte Vielfalt von Lebensformen findet zunehmende Akzeptanz. Zudem verstärken sich zwei Trends, die noch vor Jahren als Nebensache galten: Mütter sind häufiger erwerbstätig und immer mehr Väter nehmen Elternzeit. Auch die Werte von Eltern und jungen Menschen entwickeln sich weiter: Die Mehrzahl (!) der Paare wünscht sich eine partnerschaftliche Aufgabenteilung in Familie und Beruf. Über diesen Aspekt freut sich die Familienministerin, die auch die Ressorts Frauen, Jungend und Senioren verantwortet: „Ich freue mich über diese Ergebnisse und finde sie sehr ermutigend, denn sie zeigen, dass wir mit unserer modernen Familienpolitik auf dem richtigen Weg sind.

Wir brauchen eine neue Qualität der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Familienleistungen auf der Höhe der Zeit. Mit dem Ausbau der Kinderbetreuung und dem neuen Elterngeld Plus geben wir Eltern mehr Spielraum für die Gestaltung ihres Familienlebens“, sagte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig zur Veröffentlichung des Familienreports 2014 (im Oktober 2015).

Im Moment könnten jedoch nur 14 % der Eltern ihren Wunsch, sich gleichermaßen in Familie und Beruf einzubringen, auch wirklich in die Tat umsetzen, so die Ministerin. Daher werde sie sich auch weiter für die Idee der Familienarbeitszeit einsetzen, die es ermöglichen würde, diesem Anspruch nachzukommen.

Der Familienreport 2014 informiert über die aktuellen Entwicklungen von Familien in unserem Land und stellt die Vorhaben, Maßnahmen und Programme der Familienpolitik der Bundesregierung dar. Neueste Zahlen und Daten zu den Familienformen, familiären Werten, Kinderwünschen, Geburten, Eheschließungen und Ehescheidungen belegen die vielfältigen Aspekte von Familienleben in unserem Land. Der Report enthält zudem eine umfassende Darstellung von Leistungen, Wirkungen und Trends rund um Familie und Familienpolitik.

Auf Basis von Erhebungen benennt der Familienbericht eine Hohe Bedeutung von Kindern: Mehr als 80 Prozent der 20- bis 39-Jährigen finden es wichtig oder sehr wichtig, eigene Kinder zu haben. Diese Gruppe akzeptiert im gleichen Maße nicht-traditionelle Eltern-Kind-Konstellationen wie Alleinerziehende, homosexuelle Eltern und Stief- und Patchworkfamilien (jeweils über 80 Prozent).

Die Geburtenrate von 1,41 Kindern pro Frau lag 2013 praktisch auf dem Niveau von 2012 (1,40). Der Kinderwunsch liegt derzeit bei 2,29 Kindern (im Vergleich zu 1,57 im Jahre 2001). Die häufigste Altersspanne, in der dieser Wunsch erfüllt wird ist zwischen 29 und 34 Jahren. In dieser ging die Kinderlosigkeit seit 2008 am stärksten zurück (auf unter 40 Prozent).

Das Binnenverhältnis von Paaren entwickelt sich immer mehr in Richtung „Augenhöhe“: 9 von 10 Frauen und drei Viertel der Männer im Alter von 21-34 Jahren wünschen sich PartnerInnen, die selbst für den eigenen Lebensunterhalt sorgen können. In den gelebten Realitäten zeigt der Report indes noch große Lücken: Für 60 Prozent der Eltern mit Kindern unter drei Jahren wäre es ideal, wenn sich beide gleichermaßen in Familie und Beruf einbringen können, jedoch können nur 14 Prozent diesen Wunsch auch umsetzen.

Jedes dritte Paar würde für beide Partner eine Teilzeit mit etwa 30 Stunden pro Woche oder Vollzeit und eine Aufteilung der Familien- und Hausarbeit präferieren. Allerdings können nur 9 Prozent der Paare derzeit diese Aufgabenteilung umsetzen.

Aus Diversity-Sicht ermutigend ist das Ergebnis, dass seit der Einführung des Elterngelds immer mehr Väter eine Auszeit für die Familie nehmen: Jeder dritte Vater nimmt mittlerweile Elterngeld in Anspruch – 2006 waren es nur 3,5 Prozent. Drei Viertel der Väter mit Kindern unter 18 Jahren würde gerne weniger arbeiten.

Bei den Arbeitgebern ist dieser Trend angekommen: 81 Prozent der Unternehmensverantwortlichen schätzen Familienfreundlichkeit als wichtig ein – 2003 empfanden das nur 47 Prozent so. Das mag auch daran liegen, dass 80 Prozent der Unternehmen eine wachsende Erwartungshaltung der Väter in Bezug auf Angebot zur Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben wahrnehmen. Dass es in diesem Bereich Handlungsbedarf gibt zeigt ein anderes Ergebnis: 86 Prozent der Väter finden, dass Vereinbarkeitsmaßnahmen zu sehr oder zum Teil zu sehr auf Frauen ausgerichtet sind.

Der Familienreport wird regelmäßig vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend herausgegeben. Der aktuelle Report kann unter www.bmfsfj.de abgerufen werden.