Medienstudie offenbart weit verbreiteten Antiziganismus in deutschen Medien

Wörter wie „Armutseinwanderung“, der „Fall Maria“ oder auch der Generalverdacht gegen das „Zigeunermilieu“ bei der Mordserie des NSU – schon ist ein Zerrbild der Sinti und Roma entstanden oder reproduziert, das nur sehr schwer wieder ausgeräumt werden kann. Der Politikwissenschaftler Markus End analysierte im Auftrag des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma und der Antidiskriminierungsstelle des Bundes das Bild der Sinti und Roma in deutschen Medien. Sein Fazit könnte schlechter nicht sein, der grundlegend negativen Berichterstattung werden kaum positive Beispiele gegenübergestellt. Bilder von „Zigeunern“ werden mit „Kriminalität“, „Nomadentum“, „Schmutz“ oder auch „Armutseinwanderung“ kombiniert und gleichgesetzt, eine ganze Gruppe wird dadurch in fast allen Medien Opfer von offenen wie auch latenten Stereotypen und Vorurteilen.

In den letzten Jahren hat die Menge der Berichterstattung zu Sinti und Roma im Zuge der verstärkten Einwanderung rumänischer und bulgarischer StaatsbürgerInnen zugenommen. Die Medienstudie von Markus End untersuchte eine Auswahl von journalistischen Texten und Fernsehbeiträgen (privat und öffentlich-rechtlich) exemplarisch für den Querschnitt deutscher Medien. Nicht nur die plumpe Zuschreibung negativer Eigenschaften wurde dabei beachtet, vielmehr interessiert sich die Studie für subtilere Formen des Antiziganismus, die sich schon in einer gewissen Kameraführung zeigen können.

Anders als bei vielen anderen Themen, zeigt sich hier allerdings keine Zunahme an kultureller Sensibilität über die Zeit. Auf fast 400 Seiten kritisiert die Medienstudie die Nutzung einfacher Schablonen für die Berichterstattung. Die Zuschreibung gewisser Eigenschaften, die im Allgemeinen als von der Norm abweichend betrachtet werden, führt daher zu einem in der Summe negativen Bild der Sinti und Roma. Ein Erfolg wäre schon, wenn über bestimmte Probleme und Phänomene, wie etwa Kriminalität oder Armutseinwanderung, diskutiert werden würde, ohne dass diese direkt auf ganze Gruppen zurückgeführt werden. Diese homogenisierende Darstellung von Individuen ist längst nicht mehr zeitgemäß und beschreibt die komplexe Realität ganz und gar nicht. Die Studie betont, dass sie den Verfassern der untersuchten Beiträge keine bösartige Absicht unterstellt. Vielmehr müssten Journalisten ihre Rolle und Verantwortung reflektieren und durch ihre Arbeit zum Abbau von Vorurteilen beitragen.