Konrad-Adenauer-Stiftung: Instrumente zur Familienvereinbarkeit ohne Kulturveränderung wirkungslos?

Zu altbacken, zu eindimensional, zu widersprüchlich. Ausgerechnet die konservative Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) stellt der Koalition aus Union und SPD ein schlechtes Zeugnis für ihre Familienpolitik aus und erzeugt damit ein erstaunliches mediales Echo. In ihrer Studie „Familienleitbilder in Deutschland“ stellt die KAS eine Diskrepanz zwischen einer vergleichsweise offenen Gesellschaft und einer Politik fest, die oft noch das Leitbild der Ehe mit Kindern vor Augen hat. Mit gut 150 Instrumenten ist die deutsche Familienpolitik zudem aufgesplittert und teilweise widersprüchlich. Aber nicht nur die Politik steht in der Pflicht sich zu verbessern, auch Unternehmen könnten laut KAS mehr für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf tun. Immerhin öffnet sich das traditionelle Familienbild in der Gesellschaft, homosexuelle Paare, Patchworkfamilien und Alleinerziehende fallen bei den Unter-40-jährigen mit überwältigenden Mehrheiten genau wie die Ehe unter den landläufigen Familienbegriff.
Problematisch sind laut KAS vor allem die schier unerfüllbaren Anforderungen an junge Frauen. Sie sollen Karriere machen und die Gleichberechtigung so vorantreiben, gleichzeitig sagen 60 Prozent der Westdeutschen aus, dass ein Kleinkind Schaden nehme, wenn die Mutter berufstätig sei. Hierzu stellt die Studie fest, dass nicht etwa die oftmals schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu sinkenden Geburtenraten führt, sondern vielmehr die Abwesenheit von positiv besetzten kulturellen Leitbildern in der Gesellschaft. Insbesondere ein ideologisch geprägter Diskurs zum Thema Familie führt zu negativen Leitbildern. Mütter bewegen sich zwischen Kampfbegriffen wie dem „Heimchen am Herd“ auf der einen Seite und der „Rabenmutter“ auf der anderen Seite. Egal für welches Lebensdesign sie sich entscheiden, sie müssen sich privat und beruflich immer wieder Vorhaltungen anhören. In Ostdeutschland, wo das Bild der arbeitenden Mutter kulturell viel stärker verankert ist, sagt nur ein Drittel der Befragten aus, dass ein Kind unter der berufsbedingten Abwesenheit seiner Mutter leide.Diese Erkenntnis kann ein Ansatzpunkt für Arbeitgeber sein. Die bloße Implementation von WLB-Angeboten wird nicht zu einer stärkeren Zufriedenheit der Eltern führen, wenn nicht auch die Leitbilder und Werte im Unternehmen bearbeitet werden. Dazu gehören zunehmend auch Väter. Untersuchungen zeigen zudem, dass Eltern auch dann Flexibilität benötigen, wenn die Kinder älter werden. Die KAS Studie belegt einmal mehr frühere Ergebnisse, wonach die Unternehmenskultur der Schlüsselfaktor für positive Wirkungen von Work/Life-Balance-Programmen darstellt.