IG-Metall: Frauen trotz Fachkräftemangel in Elektrobranche unter ihrem Niveau eingesetzt

Die Metall- und Elektroindustrie klagt immer wieder über fehlende Fachkräfte. Die Klagen führen in der größten Branche Deutschlands indes nicht dazu, dass intern nach Lösungsansätzen gesucht wird. Weibliche Mitarbeiter werden zu oft unterhalb ihrer Qualifikationen eingesetzt, dies legt die Beschäftigtenumfrage der IG Metall unter 500.000 Angestellten offen. Insbesondere junge Nachwuchskräfte leiden unter dieser Verschwendung von Talent, jede fünfte Mitarbeiterin mit Hochschulabschluss übt einen Job aus, für den sie entweder keinen oder einen geringeren Abschluss bräuchte. Für männliche Nachwuchskräfte liegt diese Quote bei neun Prozent. Der Schaden dürfte nicht nur für die verkannten Fachkräfte sehr groß sein, auch die Unternehmen erlitten nach Schätzungen des Bundeswirtschaftsministeriums allein im Jahr 2013 einen Schaden von 31 Milliarden Euro durch unbesetzte Stellen.
Nicht nur bei den Nachwuchskräften lässt sich die Überqualifizierung feststellen, auch bei den älteren Angestellten setzt sich das Phänomen mit einer deutlichen Geschlechterlücke fort. Rund 28 Prozent der 100.000 weiblichen Befragten werden unterhalb ihres Bildungsniveaus eingesetzt, auch mit einem Techniker- oder Fachwirtabschluss werden 21 Prozent der Frauen nicht auf adäquate Posten gesetzt, männlichen Mitarbeitern passiert dies seltener. Eine weitere Verschwendung von Potenzialen entsteht durch Teilzeitarbeit von Arbeitskräften, die eigentlich Vollzeit arbeiten wollen oder könnten. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) stellt durch Umfragen fest, dass branchenübergreifend die Hälfte aller Frauen in Teilzeit gerne ihre Arbeitszeit aufstocken würde.
Die Zahlen stehen für viele Beobachter in einem Missverhältnis zu den Klagen vieler Industriezweige über Fachkräftemangel und den demographischen Wandel. Die Umfrage der IG Metall verdeutlicht, dass die Industrie nicht an einem Mangel von qualifizierten Arbeitskräften verzweifeln muss, vielmehr sollte sie sich um die adäquate Besetzung der Leerstellen mit den richtigen Leuten kümmern. Die IG Metall empfiehlt zu diesem Zweck, gerade zugunsten der weiblichen Teilzeitkräfte mit Kindern, ein Abrücken von der Präsenzkultur und den Ausbau des Betreuungsangebots. Auch tieferliegender Probleme müssten adressiert werden. Studien belegen immer wieder die mangelhafte Wahrnehmung von Potenzialen, die Vielfalt in Deutschland bietet. Weibliche Bewerber, ältere Bewerber und Bewerber mit Migrationshintergrund haben schlechtere Chancen, einen Job zu bekommen. Ein glaubwürdig durchgeführtes Diversity-Programm würde vielen Branchen – und auch dem Land als Ganzes – auf die Sprünge helfen und Verluste reduzieren.