Gesund, motiviert, produktiv: Wege zur Erhaltung der Potenziale bis ins hohe Alter

Zwar gibt es bereits die Bestrebung der Großen Koalition, die Rente mit 67 abzuschwächen und diejenigen, die mindestens 45 Jahre Rentenbeiträge gezahlt haben, zu pensionieren. Dennoch wird es wohl so kommen, dass wir in Zukunft länger arbeiten müssen als bisher, denn die Lebenserwartung steigt während die Geburtenrate sinkt. Diese scheinbar unumstößlichen Trends hat die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie veranlasst, die Studie „Erhaltung der Potenziale Erwerbstätiger bei verlängerter Lebensarbeitszeit“ in Auftrag zu geben. Der Heidelberger Arbeits- und Organisationspsychologe Karlheinz Sonntag kommt auf 68 Seiten zu dem Schluss, dass einer hohen Produktivität bis über das 67. Lebensjahr hinaus nichts im Wege steht, wenn Unternehmen und ihre Angestellten die richtigen Maßnahmen ergreifen.
Für eine gute und längere Zusammenarbeit von Unternehmen und Angestellten sind beide Seiten in der Pflicht. Die Studie nennt auf Seiten der MitarbeiterInnen die Bedeutung eines aktiven Lebens mit viel Sport und Bewegung, außerberuflichen Interessen und Engagement, Eigenverantwortung und einem hohen Grad an Gesundheitsbewusstsein. Zwar lassen motorische, sensorische und kognitive Fähigkeiten mit dem Alter nach, die Studie betont jedoch, dass sich daraus keine Verschlechterung der Arbeitsleistung ergeben muss. Ältere MitarbeiterInnen punkten mit anderen Qualitäten, die vom Unternehmen hohe Wertschätzung verdienen. Sie verfügen über langjährige Erfahrung und Expertise, lassen sich weniger stressen als jüngere MitarbeiterInnen und verleihen dem Unternehmen und seinen Geschäften Stabilität bzw. Kontinuität. Die Motivation dieser MitarbeiterInnen wird durch Respekt und eine vorurteilsfreie Unterstützung durch Führungskräfte gefördert und gewahrt. Die gelungene Einbindung älterer Erwerbstätiger führt nach den Ergebnissen weiterer Studien zu Verbesserungen der Umsatz-, Kosten- und Ertragssituation sowie einer Senkung der Fluktuations- und Recruitingkosten.
Unternehmen müssen ein stimulierendes Arbeitsumfeld bereitstellen und durch flexible Arbeitszeiten den MitarbeiterInnen ein ausgefülltes und individuell gestaltetes Privatleben ermöglichen. Ein erhöhtes Krankheitsrisiko tritt ein, wenn eine hohe Arbeitsintensität mit Zeitdruck und geringer Autonomie entsteht. Altersspezifische Besonderheiten wie ein inviduelles Lerntempo, der Einbezug von Vorwissen und Erfahrung und die Entlastung des Gedächtnisses müssen in Lern- und Arbeitsprozessen berücksichtigt werden und in die tägliche Arbeit einfließen. Negative Stereotype und Vorurteile gegenüber dem Alter zeigten – wie auch Stereotype gegen Geschlecht, Ethnie oder Behinderung – negative Folgen auf die Motivation und Produktivität, und sollten daher unter allen Umständen unterlassen werden. Unternehmen, die anerkennen, dass ihre Belegschaft die wichtigste Ressource ist und die individuelle Potenziale erkennen und fördern, werden von gesunden, motivierten und erfolgreichen MitarbeiterInnen profitieren – und zwar in allen Altersgruppen.