Gen-Y hoch 4: Die Vielfalt der Generation Y – und was sie dennoch eint

Es könnte so einfach sein, Generationen über ihre spezifischen Wertvorstellungen zu beschreiben. Zum Beispiel, was der berühmt-berüchtigten Generation Y in den Bereichen Arbeit und Freizeit wichtig ist, welche Karrieremotive sie antreibt, welche Erwartungen sie an ihren Arbeitgeber etc. Eine aktuelle Studie bestätigt einmal mehr den deutlichen Wertewandel der Generationen und die damit verbundene Notwendigkeit flexibler Arbeitsstrukturen. Allerdings: Die Generation Y ist nicht homogen, sondern lässt vier Untergruppen erkennen, die sich in Werten, Zielen und Wünschen (bezogen auf Beschäftigung) teils deutlich unterscheiden.

Laut einer aktuellen Kienbaum-Studie weisen nur noch 20 Prozent der Absolventen eine „klassische“ Karriereorientierung auf, 67 Prozent ziehen dahingegen Familie und Freunde dem beruflichen Erfolg vor. Dies illustriert einmal mehr den bereits breit diskutierten Wertewandel von der Generation X zur Generation Y. Außerdem zeigen die Ergebnisse, dass Unternehmen profitieren können, wenn sie flexible und individualisierte Konzepte für die Karriereentwicklung ihrer jungen Fach- und Führungskräfte anbieten.

Die neue Studie kommt jedoch wie bereits andere zuvor zu dem Schluss, dass es „die eine“ Generation Y nicht gibt, sondern diese in sich deutlich vielfältig ist. Kienbaum identifiziert auf Grundlage der Befragunganhand von Werten, Motivstrukturen, Eigenmotiven und Karriereankern vier verschiedene Gen-Y-Untergruppen mit folgender Verteilung an den (befragten) Absolventen: die Erlebnisorientierten (29 %), die Ambitionierten (38 %), die Orientierungssuchenden (13 %) und die Karriereorientierten (20 %).

Die Gruppe der Erlebnisorientierten, die übrigens zu 64% weiblich ist, misst den Werten und Zielen „Familie und Freunde“ (81%), „Gesundheit“ (49%) sowie „Reisen“ (40%) die höchste Bedeutung zu und wünscht sich von einem idealen Arbeitgeber vor allem eine kollegiale Arbeitsatmosphäre (84%), gute Work-Life-Balance (77%) sowie Weiterbildungsmöglichkeiten (51%).

Die deutlich männlicher geprägte Kontrastgruppe zu dieser stellen die „Karriereorientierten“ dar (67% Männer). Diesen sind besonders Erfolg und Karriere (77%) wichtig, doch auch hier stehen Familie und Freunde (55%) und Gesundheit (44%) hoch im Kurs, was sie von der Generation X unterscheiden dürfte. Nichtsdestotrotz stehen hier vor allem „klassische“ Wünsche an den Arbeitgeber im Vordergrund: Karrieremöglichkeiten (77%), gute Bezahlung (53%) sowie Weiterbildungsmöglichkeiten bzw. Internationalität (je 43%).

Die Gruppe der „Ambitionierten“, welche gleichzeitig die zahlenmäßig größte Gruppe ist, stellt eine Art Synthese der beiden vorigen Typologien dar, indem sie das Gen-Y-Mindset der Erlebnisorientierten mit der Karrieremotivation der Karriereorientierten verbindet. Familie und Freunde sind hier auf Platz 1 der Werte und Ziele (81%), werden jedoch sogleich gefolgt von Erfolg und Karriere (65%) sowie von Gesundheit (43%).

Die Orientierungssuchenden, als letzte und kleinste der vier Gruppen, sehen ihrer Zukunft noch mit einer gewissen Unsicherheit entgegen und müssen noch herausfinden, welchen Weg sie selbst einschlagen wollen.

Die Wünsche und Erwartungen der Gen Y fasst die Studie wie folgt zusammen: „Wir wollen erste Berufserfahrungen im Projektmanagement sammeln und wünschen uns dort vornehmlich eine kollegiale Arbeitsatmosphäre, die Arbeit im Team muss Spaß machen. Sie soll zudem maximal herausfordern und die Möglichkeit bieten, Aufgaben von Anfang bis Ende zu betreuen, um auch deren Erfolg sehen und erleben zu können. Bei der Erledigung unserer Aufgaben wünschen wir uns Selbstbestimmung, Unabhängigkeit und Freiheit.“ Daraus folgen die Autoren, dass Arbeit in Zukunft einen zunehmend flexibleren und dynamischeren Charakter benötigt, um den Bedürfnissen der Generation Y gerecht zu werden, diese als Talente für das Unternehmen zu gewinnen und dann nachhaltig zu binden.

Weiterhin stellt die Studie fest, dass Unternehmenskultur und Arbeitsatmosphäre zwei ganz wesentliche Schlüssel sind, um Gen-Y Talente an Unternehmen zu binden. Der überaus große Wunsch nach einer kollegialen Arbeitsatmosphäre, Partizipation und Mitgestaltung im Unternehmen sowie nach Feedback zu ihrer Arbeitsleistung ist prägend für die Absolventengeneration 2015 und zeigt Handlungsfelder auf, die Unternehmen im Rahmen von D&I aufgreifen können und sollten. Weitere Handlungsfelder, die durch die Studie aufgezeigt werden, sind individuell zugeschnittene Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten sowie innovative Work-Life-Balance-Angebote.

„Für den Umgang mit der Generation Y stellt Diversity & Inclusion das optimale Instrument dar“, interpretiert Diversity-Experte Michael Stuber die Ergebnisse und fügt hinzu, dass die Themenfelder „auffallend deckungsgleich“ seien. Er reflektiert auch die identifizierten Sub-Gruppen: „Mit den heutigen Methoden fällt es uns leicht, ein differenziertes Bild einer Gesellschaftsgruppe zu zeichnen – das war vor wenigen Jahrzehnten nur mit hohem Aufwand möglich“. Auch frühere Generationen seien bereits in sich vielfältig gewesen, so wie es auch Kulturgruppen, Männer, Frauen oder andere Gruppen sind.

Die schriftliche Befragung der Kienbaum-Studie fand im November 2014 statt und es nahmen 601 Studierende unterschiedlicher Studiengänge aus Deutschland teil. Von diesen waren 47,8 Prozent weiblich und 46,3 Prozent männlich, 5,9 Prozent der Befragten machten keine Angabe über ihr Geschlecht. Das Durchschnittsalter der Befragten lag bei 27 Jahren.

Die gesamte Studie ist auf dieser Website verfügbar.