Fußball: Die heilige Kuh doch nicht ganz koscher?

Einer großen Minderheit in Deutschland bleibt das sympathische Grölen im Halse stecken: Das unumstößliche Heiligtum, das quer durch die Gesellschaft und Politik hofiert („von nationaler Bedeutung“) und von der Wirtschaft großzügig (und bar jeder Wirtschaftlichkeit) gesponsert wird, hat einen Zacken aus der Kaiser-Krone. Der Deutschen angeblich liebstes Kind, das nicht selten mit Penetranz und Plattitüden nervt, gerät unter Beschuss. Gestern noch zur „Religion“ hoch stilisiert muss heute angenommen werden, dass die heilige Kuh nicht ganz koscher ist. Schon die WM-Karten-Knappheit hat denen, die die Millionengehälter der ansonsten Schwer-vermittelbaren bezahlen, arg die Stimmung verhagelt. Nun steht der tiefere Sinn, nämlich das Sich-sportlich-messen, in Frage. Waren es gar keine fairen Kämpfe, Mann gegen Mann, bei denen die Fans mitfieberten? Waren es abgekartete Spiele? Während die Illusionen eines Volkes zu zerrinnen drohen, beeilen sich die beleibten Sports-Funktionäre, von Einzelfällen zu sprechen. Zuviel steht auf dem Spiel, als dass der Deutsche Männerbund Kritik
oder Reflexion zuließe. Zu sicher wurde die Milliarden-Bastion gefestigt, als dass man sich von weiblichen Weltmeisterinnen oder womöglich homosexuellen
Tendenzen das Unter-sich-sein verderben lassen wollte. Die Wurzel des Übels wird angesichts tendenziöser Medienberichte („kroatische Wettmafia“) ohnehin
woanders vermutet. So wird auch über diese Sache heiliger Rasen wachsen, und in Deutschland wird es weiterhin für junge Menschen wichtiger sein, wie ihre Helden
gut kicken oder schnell Auto fahren zu können, anstatt sich zu bilden (Streber!) und aufgeschlossen auf Andere zuzugehen. Nein, unbequeme Fragen haben immer noch wenig Platz in der Kultur, die doch eigentlich hinreichend Signale erhalten hat, dass für Erfolg Vielfalt und Offenheit erforderlich ist.