Fachkräfte-Fortschrittsbericht 2013: Ungenutzte Potenziale mit Diversity erschließen

Der deutsche Arbeitsmarkt steuert auf ernstzunehmede Probleme zu. Dieser Meinung ist eine breite Mehrheit der Bevölkerung und auch 42% der Unternehmer bereitet der Fachkräftemangel große Sorgen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) befragte in einem Arbeitsmarktreport Unternehmen aller Größen und kann mit 20.000 Antworten ein sehr detailliertes Lagebild zeichnen. Eric Schweitzer, Präsident des DIHK, präsentierte Mitte März gemeinsam mit Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles die Ergebnisse des Fachkräfte-Fortschrittsberichts 2013. Dieser stellt fest, dass insbesondere die Potenziale von Frauen und älteren Menschen noch zu wenig genutzt werden; ebenso sieht es bei den 1,4 Millionen jungen Deutschen ohne Berufsabschluss und den vielen ausländischen Fachkräften aus. Als profane Lösung wird eine Mischung dieser bislang zu wenig genutzten Potenziale empfohlen.
Auf rund 31 Milliarden werden die entgangenen Umsätze bei den 53% KMUs geschätzt, die fehlende Fachkräfte beklagen. Dabei ist der Pool potenzieller Fachkräfte groß: In der Gruppe der 60 bis 64-Jährigen arbeitet laut Bundesregierung nur noch die Hälfte, ebenso arbeitet die Hälfte der erwerbstätigen Frauen nur in Teilzeit. Hinzu kommen ausländische Fachkräfte und Deutsche mit Migrationshintergrund, die oftmals nur schwer Arbeit finden, auch wenn sie gut ausgebildet sind. Diversity-Experte Michael Stuber beobachtet seit Jahren mit Unverständnis, wenn Unternehmen diese und andere Potenziale links liegen lassen. „Den Unternehmen und der gesamten Gesellschaft entgehen dadurch nicht nur Vorteile, sondern es fehlt auch weiterhin an sozialem Zusammenhalt,“ konstatiert er, „Eine von Diversity geprägte Unternehmens- und Landeskultur ist in der Lage, in der Vielfalt der Menschen Stärken zu erkennen und diese mit Offenheit und Einbeziehung zum Wohle Aller zu nutzen“. Und so empfiehlt auch der Fortschrittsbericht neben der Stärkung der dualen Ausbildung vor allem die Weiterbildung älterer MitarbeiterInnen und die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte. Einen veränderten Umgang mit MigrantInnen und weiblichen Talenten betont der Bericht zu wenig. „Ein typisch deutscher blinder Fleck,“ meint Stuber.
Im Fachkräftebericht antwortete jedes dritte Unternehmen, dass es mit der Beschäftigung älterer MitarbeiterInnen auf den Fachkräfteengpass reagieren möchte, ein Fünftel der Unternehmen will dies durch ausländische Fachkräfte tun. Auch müssten Unternehmen durch flexible Arbeitszeitmodelle die Potenziale der älteren wie jüngeren ArbeitnehmerInnen nachhaltig fördern und gleichzeitig private Lebensentwürfe berücksichtigen. Allerdings hängt der Erfolg dieser und anderer Ansätze einmal mehr davon ab, wie die Unternehmenskultur zwischenzeitlich weiter entwickelt wird (vgl. Editorial). Allerdings: Wer ist bereit, Privilegien und Bequemlichkeit zugunsten der Zukunft zu opfern?