Dossier „Perspektiven und Analysen von Sinti und Roma in Deutschland“ der Heinrich-Böll-Stiftung erschienen

Rund 120.000 Sinti und Roma leben derzeit in Deutschland. Die meisten von ihnen haben mit struktureller Diskriminierung und gesellschaftlicher Ausgrenzung zu kämpfen. Dennoch wird die Lebenssituation von Sinti und Roma in Medien und Öffentlichkeit kaum thematisiert. Hier setzt ein kürzlich erschienenes Dossier der Heinrich-Böll-Stiftung einen Gegenpunkt. Diversity zieht sich dabei wie ein roter Faden durch das Papier, so vielfältig wie die Menschen sind auch die Beiträge.

Die Unterschiedlichkeit, die dabei zum Tragen kommt, gehört zum Konzept des Dossiers. Sie zeigt sich ebenso in den Formaten der Beiträge, die vom wissenschaftlichen Aufsatz über poetische Texte, Interviews bis hin zum Film reichen, wie auch in der Bandbreite der Themen. Das dominierende Thema ist dabei der alltägliche und strukturelle Rassismus, der mit starken Zuschreibungs- und Ausgrenzungsmechanismen einhergeht. Dieser verhindert ganz alltäglich, „dass wir uns offen als Roma bekennen können, ohne daraufhin diskriminiert zu werden“, wie es Vojta Gina im Interview formuliert.

Gleichwohl eröffnet dieses Dossier auch für Gadje (Nicht-Roma), Interessierte, Unterstützende der politischen Arbeit einen Blick auf die minorisierten Perspektiven und Erfahrungen in ihrer Vielfalt. Die Böll-Stiftung will, dass Roma als Analysierende der gesellschaftlichen Verhältnisse, als aktiv handelnde, sozial und politisch engagierte Akteurinnen und Akteure wahrgenommen werden.

„Sinti und Roma stellen auch in Deutschland ein ungenutzes Potenzial für Gesellschaft und Unternehmen dar“ stellt Diversity-Experte Michael Stuber fest. „Allzu häufig führen Vorurteile und in den Köpfen verfestigte Stereotype zu Diskriminierung und trüben die Wahrnehmung der vielfältigen Fähigkeiten dieser Bevölkerungsgruppe.“

Das erste Kapitel des Dossiers versammelt Analysen zum spezifischen Rassismus gegen Sinti und Roma und zur strukturelle Diskriminierung. Im zweiten Kapitel werden Formen der Selbstorganisierung und von Empowerment aus verschiedenen Perspektiven thematisiert. Im dritten Kapitel werden gesellschaftliche und individuelle Räume für Erinnerungspolitik, Kunstproduktionen und Repräsentationen erörtert. Eingeleitet, gerahmt, begleitet und kommentiert wird das gesamte Dossier durch das Vorwort von Anita Awosusi, durch Gedichte von Jovan Nikolić, zwei Postkartenbilder von Ceija Stojka und ein Bild von Elsa Fernandez.

Entstanden ist das Dossier in der Redaktion von Isidora Randjelovic und Jane Schuch. Es wird in Kooperation der Heinrich-Böll-Stiftung mit ihnen herausgegeben. Eine Besonderheit des Dossiers ist, dass alle Beiträge exklusiv hierfür entstanden sind.

Das Dossier steht online zur Verfügung unter

http://heimatkunde.boell.de/dossier-sinti-und-roma

 

Quelle (Auszüge): Heinrich Böll Stiftung