Die Umkehrung des Brain-Drain: Fachkräfte kehren zurück nach Deutschland

Deutschland möchte eine führende Nation in Wissenschaft und Forschung bleiben. Umso mehr bedauerte es das Land, dass viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Fähigkeiten außerhalb der Landesgrenzen einsetzen und weiter entwickeln – zum Beispiel in Nordamerika. Brain Drain, mentale Austrocknung, hieß das Schreckgespenst. Nun kehren die guten Geister vermehrt zurück… Keine Frage: Eine Karriere im Ausland, zum Beispiel den USA, ist für viele Fach- oder Führungskräfte attraktiv. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten lockte jahrzehntelang erfolgreich Top-Talente zwischen East- und West-Coast. Doch wie viele Wissenschaftler bleiben wirklich dauerhaft in den USA, und wie viele entscheiden sich nach einer Phase des Lehrens und Forschens zu einer Rückkehr nach Deutschland? Das hat nun das German Academic International Network, das größte Netzwerk deutscher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Nordamerika, herausgefunden. Befragt wurden dafür alle Teilnehmer der GAIN-Jahrestagungen zwischen 2004 und 2011, insgesamt 1.665 Personen.
Dabei zeigte sich, dass bis zum Jahr 2009 eine deutliche Mehrheit von zwei Dritteln der WissenschaftlerInnen nach der Auslandsphase wieder nach Deutschland zurückgekehrt ist. Im Jahr darauf hatten etwa die Hälfte der Forscher die USA wieder verlassen, für 2011 ließen sich aufgrund von noch nicht abgeschlossener Aufenthalte keine genauen Zahlen ermitteln. Diese Ergebnisse entsprechen dem Bestreben der GAIN, deutsche ForscherInnen einen Forschungsaufenthalt in den USA zur Weiterbildung zu ermöglichen, die Innovationskraft der Männer und Frauen aber danach wieder für den deutschen Wissenschaftsbetrieb zu gewinnen.
Die hohen Rückkehrer-Zahlen könnten darauf zurückzuführen sein, dass WissenschaftlerInnen in Deutschland häufiger eine dauerhafte Stelle (amerik.: tenure track) bekommen. 12,5 Prozent der Zurückgekehrten haben eine W2- oder W3-Professur in Deutschland, aber nur 7,1 Prozent der in den USA Verbliebenen haben eine Stelle als Associate oder Full Professor inne. Mehr als zwei Drittel arbeiten dagegen in den USA als Postdoktoranden oder wissenschaftliche Mitarbeiter, wo sie in der Regel schlechter bezahlt werden als in Deutschland. Insofern bestätigte sich auch die Befürchtung vieler Rückkehrer nicht, die mit einer schlechten Einkommenssituation rechneten. Viele der Heimkehrer hatten bereits bei Rückkehr ein Stellenangebot in der Tasche. Von den 16 Prozent, bei denen das nicht der Fall war, fand die Hälfte in den darauf folgenden drei Monaten einen Job.