AOK-Familienstudie: Zufriedenheit maximieren, Fehlzeiten reduzieren

Ist es in Deutschland wirklich problemlos möglich, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen? 63 Prozent der TeilnehmerInnen einer AOK-Umfrage verneinen dies; sie halten es für unrealistisch, obwohl sie selbst großen Wert auf die berufliche Flexibilität legen. Diese Diskrepanz belastet nicht nur Eltern, sondern kann auch die Gesundheit von Kindern beeinträchtigen. Die Ergebnisse einer Umfrage in 1.500 Haushalten wurde nun in der AOK-Familienstudie 2014 veröffentlicht. Stress, Unzufriedenheit und mangelnde Betreuungsangebote für Kinder führen demnach zu gesundheitlichen Problemen. Unternehmen könnten (und sollten) ihren Teil zu gesunden und ausgeglichenen Beschäftigten beitragen. Eine kürzlich von Mittelständlern ins Leben gerufene Genossenschaft zur Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, insbesondere durch Beratungs- und Betreuungsangebote sowie Qualifikations- und Fortbildungsmaßnahmen, bildet ein herausragendes Beispiel für solche Beiträge.
Glücklicherweise sind auch gute Nachrichten in der AOK-Familienstudie enthalten. Zwei Drittel aller Väter und Mütter geben an, sich gesundheitlich gut oder sogar sehr gut zu fühlen. Bei den befragten Kindern liegt dieser Wert sogar bei 80 Prozent. Zudem sind neun von zehn Befragten mit ihrem aktuellen Familienleben zufrieden. Im Vergleich zu den Familienstudien der Jahre 2007 und 2010 sind die Belastungen körperlicher, partnerschaftlicher, finanzieller und psychischer Art allesamt zurückgegangen. Allein der Zeitstress nahm zu: fast die Hälfte der befragten Haushalte nennt diesen als den am meisten belastenden Faktor ihres Alltags. Insbesondere alleinerziehende Eltern sind deutlich unzufriedener und anfälliger für zeitlichen Stress, benötigen also besondere Unterstützung. Laut AOK besteht zwischen der Zufriedenheit der Eltern auch ein direkter Zusammenhang zu ihrer Gesundheit. Arbeitgeber haben also ein großes Interesse daran, die Familienzufriedenheit so zu fördern.
Flexible Arbeitsformen und eine entsprechend offene Unternehmenskultur sind klare Schlüsselfaktoren. Für mittelständische Unternehmen galt es bislang als schwieriger, konkrete Fördermaßnahmen wie betriebsinterne Kinderbetreuung zu realisieren: Die Grundkosten stehen in ungünstigem Verhältnis zur fehlenden kritsichen Masse der NutzerInnen und damit der positiven Personaleffekte. Ein gemeinsames Projekt von 14 Mittelständlern in Oldenburg zeigt einen neuen Weg. Sie haben sich zusammengetan und eine genossenschaftlich organisierte Kindertagespflegestätte gegründet und kürzlich eröffnet. Die Tagesstätte liegt im Gewerbegebiet, in dem auch die Unternehmen angesiedelt sind. Die beschäftigten Eltern haben es also nicht weit zu ihren Kindern und können logistische Komplexitäten auf ein Minimum reduzieren.