Altersstereotype erkennen und überwinden

Die Vorstellungen vom Alter, vom Altern und von Älteren entscheiden oft über den Erfolg oder Misserfolg einer alter(n)sgerechten Personalpolitik. Dies ist ein Ergebnis eines aktuellen Projektes der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA). Eine neue Broschüre soll Unternehmen bei der Arbeit an relevanten Fragestellungen unterstützen.

Erst die fundierte Auseinandersetzung mit dem Alter, dem Altern und mit den Kompetenzen Älterer ermöglicht ein erfolgversprechendes Alternsmanagement im Betrieb, das auf den Erhalt und die Förderung der Arbeitsfähigkeit von älteren Beschäftigten abzielt. Dies bildet die Maxime einer aktuellen Broschüre, die im Rahmen des Projekts „Qualitätssicherung in der Demografie-Beratung“ entstanden ist. Die Publikation „Alle in eine Schublade? Altersstereotype erkennen und überwinden“ stellt einerseits wissenschaftliche Erkenntnisse zum Themenfeld psychische und physische Leistungs- und Kompetenzentwicklung älterer Beschäftigter vor. Andererseits zeigt sie, welche Altersbilder sowohl bei Beschäftigten als auch bei Führungskräften in Unternehmen vorhanden sein können und welche Möglichkeiten es gibt, diese – falls nötig – positiv zu beeinflussen.

Zusammenfassung grundlegender Erkenntnisse

Die Broschüre beschreibt zunächst das Phänomen von „Altersbildern“ mit einem Fokus auf den betrieblichen Kontext. Dabei wird u.a. die Bedeutung der themenspezifischen Einstellungen von Personalverantwortlichen hervorgehoben. Anhand von Befragungsergebnissen zeigt die Broschüre, dass Altersbilder einen deutlichen Einfluss auf die Personalpolitik in Unternehmen haben. Auch das zweite Kapitel stellt relevante Erkenntnisse über Ältere dar, und zwar zu Fähigkeiten und Leistungsvermögen.

Alter als Konstrukt und damit zusammenhängende Stereotype

Ihr eigentliches Titelthema behandelt die zweite Hälfte der Broschüre: Einflussfaktoren auf die Wahrnehmung – und folgende Bewertung – des Alters. Beispiele für Stereotype und Zuschreibungen zeigen die Praxisrelevanz der dargestellten Mechanismen. Ein Mini-Quiz beleuchtet fünf Aspekte von Leistungfähigkeit und –bereitschaft Älterer.

Obwohl die Broschüre die Auseinandersetzung mit Altersstereotypen betont, konzentrieren sich die praktischen Empfehlungen eines Kapitels auf den Erhalt der Arbeitsfähigkeit Älterer (unter Verwendung des Hauses der Arbeitsfähigkeit von 2002). Auch das Kapitel zur betrieblichen Praxis fokussiert in weiten Teilen auf diesen Aspekt. Die für Altersbilder und etwaige Altersstereotype wichtige Unternehmenskultur wird durch Vorschläge zur Reflexion, Ermittlung des Altersklimas, Kampagnen oder Schulungen aufgegriffen. Diese spiegeln sich auch in den beiden Praxis-Interviews wider. Darin spricht die Bundesagentur für Arbeit von der Einbettung des Themas Alter in einen umfassenden Diversity Ansatz. Der inzwischen viel-diskutierte Ansatz, die Vielfalt der Generationen ganzheitlich zu betrachten und zu Stereotype (über alle Generationen!) im Kontext bewusster und unbewusster Denkmuster (Un/conscious Bias) zu bearbeiten, wird in der Broschüre (noch) nicht erwähnt.

 

Themenkontext

Das Thema „Ältere Beschäftigte im Unternehmen“ sowie der Erhalt und die Förderung der Arbeitsfähigkeit gewinnen immer mehr an Bedeutung. Mit Blick auf die demografische Entwicklung und die künftige Finanzierbarkeit der sozialen Sicherungssysteme hat die Politik bereits die schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre beschlossen. Derzeit wird darüber hinaus eine Koppelung des Renteneintrittsalters an die weiter steigende Lebenserwartung diskutiert, was langfristig zur Rente mit 71, 72 oder auch 75 führen würde. Aber auch der wachsende Fachkräftemangel in einigen Branchen und Regionen sorgt dafür, dass viele Unternehmen bereits heute versuchen, ihre qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglichst lange gesund und leistungsfähig im Unternehmen zu halten.

Über INQA

Die Initiative Neue Qualität der Arbeit ist eine gemeinsame Initiative von Bund, Ländern, Verbänden und Institutionen der Wirtschaft, Gewerkschaften, Unternehmen, Sozialversicherungsträgern und Stiftungen. Ihr Ziel: mehr Arbeitsqualität als Schlüssel für Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland. Dazu bietet die im Jahr 2002 ins Leben gerufene Initiative inspirierende Beispiele aus der Praxis, Beratungs- und Informationsangebote, Austauschmöglichkeiten sowie ein Förderprogramm für Projekte, die neue personal- und beschäftigungspolitische Ansätze auf den Weg bringen.

Unter dem INQA-Dach beschäftigen sich Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft mit der Frage, wie Arbeitsbedingungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter attraktiv und für Arbeitgeber rentabel zu gestalten sind. Wo sich sonst Interessenlagen konträr gegenüberstehen, bietet die Initiative Neue Qualität der Arbeit als unabhängiges Netzwerk die Möglichkeit zu einem konstruktiven und an der Praxis orientierten Austausch.

Die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderte Initiative zielt insbesondere auf kleine und mittlere Betriebe, bietet aber auch Großunternehmen handfeste Unterstützung. Darüber hinaus erarbeitet die Initiative jetzt auch Instrumente und Handlungshilfen für die öffentliche Verwaltung. Denn: Auch für Behörden ist gute Arbeit und eine mitarbeiterorientierte Organisationskultur ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Die Broschüre als PDF sowie Bestellmöglichkeit für Print-Exemplare finden Sie hier http://www.inqa.de/DE/Angebote/Publikationen/altersstereotype-erkennen.html