ALLE JAHRE WIEDER

Es ist wieder soweit: Ein Weihnachtsessen jagt das andere und komplexe Besuchsplanungen zu den Festtagen werden minutiös erarbeitet. Wie viel Religiosität bei den feisten Feiern jeweils eine Rolle spielt, bleibt ungewiss. Sicher ist, dass die meisten den religiösen Hintergrund der Festtage kennen – so ungefähr zumindest. Die zunehmende öffentliche Diskussion um diverse Feiertage trägt indes zu einem Bewusstsein bei, dass bei weitem nicht Alle dieselbe religiöse Orientierung haben. Was in der Diskussion um christliche, moslemische und jüdische Kalender jedoch weitgehend unbeachtet bleibt, ist die Tatsache, dass auch bei weitem nicht Alle die gleiche religiöse Prägung – im Sinne der Stärke der religiösen Überzeugung – haben. Denn eine große und durchaus wachsende Gruppe (aller Konfessionen!) lebt nicht religiös. Im öffentlichen Diskurs werden sie allerdings nicht vertreten, so dass Kirchen und Zentralräte das Feld unter sich auf teilen. Die enorme Bedeutung, die religiöse Aspekte in unse rem Alltag weiterhin haben – leider auch mit Blick auf blutige Konflikte – steht in krassem Gegensatz zur weitgehenden Nichtbeachtung des Themas im betrieblichen Diversity Management. Zusammen mit sexueller Orientierung und Behinderung gehört es zu den marginalisierten Themen. Anlassbezogen, wie jetzt zu Weihnachten oder während des Ramadan, kommt es zu interessierten Berichten über den Einfluss der Religion auf Leben und Arbeit – so wie während des CSD über homosexuelle Themen. Natürlich könnte man behaupten, die geringe Präsenz von „Religion“ im Kontext von Diversity sei ein Ausdruck der zuvor erwähnten geringen Religiosität vieler Menschen. Selbst wenn dem so wäre, müssten sich die meisten westlichen Staaten deutlich bewusster werden, welche fundamental christliche Prägung die Gesellschaften über die Jahrhunderte erhalten haben und an wie vielen Stellen sich dies weiterhin zeigt. Elemente der Alltagssprache gehören dazu, das Stadtbild und eben der jährliche Kalender. Für unsere Diversity-Arbeit mögen die Festtage zweierlei Anregungen bringen: Mehr Einbeziehung des Themas Religion und gleichzeitig mehr Bewusstsein für die Vielen, die nicht religiös leben.
Eine frohe und besinnliche Diversity-Zeit wünscht

Ihr Michael Stuber