4. Frauentag, IG BCE; „Key Note: Frauen erfolgreich unterwegs”

Im Namen der Gleichstellung referierten vom 7. bis 9. Juni prominente Gäste auf dem 4. Frauentag der IG BCE in Hannover. Prominente RednerInnen aus Politik und Wirtschaft, darunter Ursula von der Leyen und Gesine Schwan, widmeten sich Gleichstellungsthemen, vom Berufseinstieg bis zur Führungsverantwortung.

Als Impuls- und Inputgeber war Michael Stuber zu Gast auf der Veranstaltung. Weil Impulse häufig von außen kommen, kann jemand, der mehrere externe Sichtweisen bietet (als Mann, aus der Wirtschaft, als Quotenkritiker und Zielbefürworter und jemand, der Gerechtigkeit als Ergebnis und nicht als Antrieb sieht) nur bereichernd sein.Zum Auftakt stellte Stuber gleich eine provokante Frage mit politisch-philosophischem Touch: Gleichstellung versus Diversity – Sind Frauen und Männer eigentlich im Wesentlichen gleich oder ungleich?

Diese Frage findet alltägliche Relevanz im Umgang mit „Frauenthemen in der Praxis“, denn der Ansatz „Gleichbehandlung“ mutet zunächst gegensätzlich zum Ansatz „Differenzierung“ an.

Es erinnert an Skylla und Charybdis – wie navigiert man richtig, um dem Verhängnis aus dem Weg zu gehen? Historisch erweitert lautet die Fragestellung: Werden Männer und Frauen unterschiedlich oder gleich gemacht?

Von der künstlichen Differenzierung (Männer: nur Krieger/ Arbeiter – Frauen: Nur Haushalt/ Mütter) über die industrielle Revolution, die eine spätere künstliche Gleichmacherei nach sich zog, erfolgt jetzt eine differenzierte Betrachtung; Gender nicht zu thematisieren, kann nicht zu objektiver Betrachtung führen.

Unter der Vielzahl vorhandener Konzepte stellt sich das Konzept Gender Diversity als jenes heraus, welches das Thema „Geschlecht“ ausgewogen behandelt. Nicht nur das biologische Geschlecht (Sex) wird berücksichtigt, sondern auch das soziale Geschlecht. Letzteres ist aufgrund seines konstruierten und kontextabhängigen Charakters besonders wichtig. Ein weiterer Vorteil des Konzeptes besteht in seiner Berücksichtigung von Intra-Gruppen-Unterschieden.

Stuber kritisierte in seinem Vortrag die zu starke Betonung von Unterschieden, obwohl eine Studie jüngst gezeigt habe, dass es auch viele Gemeinsamkeiten zwischen Frauen und Männern gebe. Dennoch liegt der Fokus der Wahrnehmung, insbesondere im Beschäftigungskontext, auf Unterschieden. Damit wird Gender zu einem Kulturthema in Unternehmen.

Zum Verhältnis zwischen Gender und Diversity stellte Stuber heraus, dass Gender im Diversity-Kontext oft dadurch Wichtigkeit erlange, dass es die größte Gruppe bildet. Tatsächlich bestehe aber ein Mix aus Gender, Ethnie/Kultur, Alter/Generation, Behinderung, Religion und sexueller Orientierung. Ziel von Diversity sei daher die Repräsentation verschiedener Gruppen und durch Offenheit und Einbeziehung Mehrwerte zu generieren.

Zuletzt plädierte Stuber für das Konzept „Potenzial Prinzip“, das eine einseitige Betonung auf das Thema Gender vermeiden und die eben genannten Ziele erfolgreich abdecken könne.

Wer auf Besserung wartet statt aktiv zu handeln, muss sich nicht wundern, wenn die gewünschte Veränderung nicht eintrifft. Für einen gesunden Start ins Projekt ist es Stuber zufolge nötig, aktiv zu werden, bisheriges Verhalten zu hinterfragen und realistische Erwartungen zu setzen – immer mit dem Blick auf die Gemeinsamkeit: Gemeinsam Veränderung gestalten; nicht NUR die Frauen oder NUR die Männer, sondern beide gemeinsam.

Mit dieser Devise können Frauen und Männer erfolgreich unterwegs sein.