2 x Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland

Wie steht es um die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in unserer Gesellschaft? Wie genau verhält es sich mit der vorurteilsfreien Gleichbehandlung, das unser AGG fordert? Zwei aktuelle Medienprojekte folgen unterschiedlichen Hebeln: gegen Rassismus bzw. für Integration und zeigen damit einerseits den weiterhin bestehenden Handlungsbedarf und andererseits positive Beispiele mit Leuchtkraft.
Die Entscheidung des Koblenzer Verwaltungsgerichts im letzten Jahr, die Klage eines Bundesbürgers gegen die Bundesrepublik und die Bundespolizei wegen der diskriminierenden Praxis des Racial Profiling zurück zu weisen, hat nachhaltig hohe Wellen in der Medienwelt geschlagen. Hintergrund war die Verhaftung eines deutschen, farbigen Zugreisenden, der sich weigerte, sich auszuweisen, da die Beamten ihn für einen ohne Papiere nach Deutschland Einreisenden hielten.. Die Beamten gaben im Verfahren zu Protokoll, den Mann aufgrund seiner Hautfarbe gezielt kontrolliert zu haben.
Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland hat nun mit dem Büro zur Umsetzung von Gleichbehandlung die offene Petition “Stop Racial Profiling“  ins Leben gerufen. „Racial/Ethnic Profiling“ steht für die Verdächtigung und Verfolgung von Menschen aufgrund so genannter herkunftsbasierter Personenprofile durch die Polizei. Dabei handelt es sich um die diskriminierende Verwendung von Hautfarbe, Herkunft oder religiöser Zugehörigkeit als Grundlage für Identitätskontrollen und Durchsuchungen ohne konkretes Indiz. Durch diese Polizeipraxis werden Menschen nicht-weißer Hautfarbe und weitere Gruppen öffentlich unter Generalverdacht gestellt, als Verdächtige gebrandmarkt und auch ohne konkrete Verdachtsmomente kriminalisiert.
Die Unterstützer sehen in dieser Praxis einen strukturellen und institutionalisierten Rassismus, der im Widerspruch zum Gleichbehandlungsgrundsatz des Grundgesetzes steht. Die Petition fordert unter anderem die Abschaffung der verdachtsunabhängigen Polizeikontrollen sowie Anti-Rassismus-Training für die Polizei. Bis zum Ende Laufzeit der Petition wurden über 15.000 Unterschriften gesammelt. Die Homepage der Kampagne zeigt eine Landkarte der Unterzeichner, die hauptsächlich aus Ballungszentren stammen.
Mit der Verleihung des Kausa Medienpreises würdigt das Bundesministerium für Forschung und Bildung indes außergewöhnliche Berichte über berufliche  Erfolgsgeschichten von MigrantInnen. Für das Jahr 2012 wurden neun NachwuchsjournalistInnen ausgezeichnet, die laut Schavan die kulturelle Vielfalt in Deutschland unverstellt und originell beleuchten. Den ersten Platz in der Kategorie Print/Online gewann Jens Tönnesmann mit seinem in der „WirtschaftsWoche“ erschienenen Artikel „Innovation statt Imbissbude“. Der 34-jährige zeigt, dass Unternehmensgründer mit Migrationshintergrund aus Deutschland nicht mehr wegzudenken sind. Tönnesmann stellt Menschen mit Gründergeist und Erfindungsreichtum vor, die trotz mancher Vorurteile von Investoren und Behörden erfolgreich ihren Weg gegangen sind. „Ein hervorragend recherchiertes Stück mit einer Fülle beeindruckender Porträts“, begründete die Jury die Entscheidung.